Gemeinsam nachhaltige Strukturen fördern

Viele der 25 Millionen Kaffee­farmer weltweit könnten mithilfe einer modernen Infra­struktur oder bezahl­barer Kredite produk­tiver und nachhal­tiger wirtschaften. Zusammen mit regio­nalen, natio­nalen und inter­na­tio­nalen Akteuren der Kaffee­branche engagieren wir uns deshalb in übergrei­fenden Initia­tiven wie dem Sustainable Coffee Program (SCP) für bessere Rahmen­be­din­gungen in den Produk­ti­ons­ländern. Anfang 2015 haben sich das SCP sowie weitere Bündnisse und Programme im Kaffee­sektor durch eine gemeinsame Erklärung stärker vernetzt.

Für eine nachhaltige Entwicklung der Kaffee­branche ergeben sich in den Anbau­ländern unter­schied­liche Heraus­for­de­rungen, die von den Kaffee­farmern und ihren Organi­sa­tionen vor Ort nicht allein gelöst werden können. Damit abgelegene Kaffee­farmen ihren Markt­zugang verbessern können, muss vor allem die Infra­struktur in den Ursprungs­ländern ausgebaut werden. Dies betrifft nicht nur die Verkehrs­an­bindung, sondern auch Infor­ma­tions- und Kommu­ni­ka­ti­ons­netze sowie die Energie­ver­sorgung. Wichtig ist außerdem, den Farmern Inves­ti­ti­ons­mög­lich­keiten zu bieten, um ihnen die Umstellung auf neue Techniken zu erleichtern. Benötigt werden darüber hinaus politische Rahmen­be­din­gungen für einen umwelt- und sozial­ver­träg­lichen Anbau. Vielfach fehlen bisher klare Regelungen beispiels­weise für eine zuver­lässige Wasser­ver­sorgung oder zum Schutz der Ökosysteme. Mit dem SCP und der Initiative Inter­na­tional Coffee Partners (ICP) arbeiten wir auf überge­ord­neter Ebene daran, Rahmen­be­din­gungen wie diese zu verbessern.

Sustainable Coffee Program: Wirtschaft und Politik ziehen an einem Strang

Inter­na­tionale Kaffeeröster haben sich 2012 im SCP zusam­men­ge­schlossen, um den struk­tu­rellen Heraus­for­de­rungen gemeinsam zu begegnen. Hauptziel ist es, die Erträge und Export­mengen nachhaltig erzeugten Kaffees zu steigern. In länder­be­zo­genen Aktivi­täten wirken Regie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen und weitere nationale Stake­holder an dem Programm mit, das auf eine Initiative der nieder­län­di­schen Regierung, die Initiatief Duurzame Handel (IDH) zurückgeht. Die IDH setzt sich für einen verant­wort­lichen Handel mit Rohstoffen und Indus­trie­pro­dukten aus Entwick­lungs­ländern ein und koordi­niert die hierfür nötigen inter­na­tio­nalen Aktivi­täten. Im Mittel­punkt ihrer Aktivi­täten stehen Güter wie Kakao, Tee, Soja, Tropen­hölzer, Baumwolle, Kaffee oder Palmöl, aber auch Endpro­dukte aus den Bereichen Bekleidung und Elektronik.

Tchibo ist Gründungs­mit­glied des SCP und mit den anderen betei­ligten Röstern, dem Dachverband European Coffee Federation und der Entwick­lungs­hil­fe­or­ga­ni­sation HIVOS im Lenkungs­aus­schuss des SCP vertreten. Als bedeu­tender Zusam­menschluss von Akteuren aus Wirtschaft und Politik auf dem Weltkaf­fee­markt – die Röster mit dem weltweit größten Markt­vo­lumen sind darin organi­siert – verfügt das SCP über eine erheb­liche Reich­weite.

Inves­ti­tionen in nationale Entwick­lungs­pro­jekte

Für Tchibo sind die struk­turell ausge­rich­teten Initia­tiven des SCP eine sinnvolle Ergänzung zu dem eigenen Programm Tchibo Joint Forces!®. Sie tragen dazu bei, dass sich der Kaffee­sektor insgesamt nachhal­tiger entwi­ckelt. In der von 2010 bis 2015 laufenden Programm­phase standen sechs der zehn größten Kaffee­an­bau­länder im Fokus: Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kolumbien, Äthiopien und Uganda. Das SCP identi­fi­ziert für jedes Land Maßnahmen, die ein großes Potenzial für einen nachhal­ti­geren Rohkaf­fee­anbau beinhalten. Gleich­zeitig werden Wege aufge­zeigt, um mögliche Hinder­nisse zu überwinden. Zu den Aktivi­täten des SCP gehören zum Beispiel:

  • Unter­stützung beim Aufbau bezie­hungs­weise der Weiter­ent­wicklung natio­naler, privat­recht­licher Verbände für die Kaffee­branche
  • Förderung der offizi­ellen Anerkennung lokaler Standards, wie Certifica Minas Café aus Brasilien, im Rahmen des 4C-Standards
  • Förderung von Programmen zur besseren Anpassung des Kaffee­anbaus an sich verän­dernde Wetter­be­din­gungen

Bis zum Ende der 2015 auslau­fenden Programm­phase will das SCP insgesamt 500.000 Kaffee­farmer erreichen. Von 2010 bis 2015 sollen 25 Millionen US-Dollar in mehr als 80 Projekte in den Anbau­ländern und die Weiter­ent­wicklung von Kaffee­lie­fer­ketten inves­tiert werden. Zusätzlich werden inter­na­tionale Geldgeber in weitere Aktivi­täten des Programms einge­bunden. Sie stellen oft entschei­dende Anschub­fi­nan­zie­rungen für lokale Projekte zur Verfügung. Die Vergabe von Geldern wird durch ein unabhän­giges Komitee, lokale Experten und die Koordi­na­toren der Länder­pro­gramme überprüft.

Memorandum für vertiefte Zusam­men­arbeit

Ein wichtiger Meilen­stein auf dem Weg zur nachhal­tigen Trans­for­mation des Kaffee­sektors konnte Anfang 2015 erreicht werden. Im März verab­schie­deten die 4C Association als Organi­sation des Privat­sektors und der Zivil­ge­sell­schaft, die Inter­na­tional Coffee Organi­sation (ICO) als zwischen­staat­liche Organi­sation der Produk­tions- und Konsum­länder sowie die IDH als Koordi­nator von Geber­or­ga­ni­sa­tionen eine gemeinsame Absichts­er­klärung („Memorandum of Under­standing“). Die unter­schied­lichen Bündnisse und Akteure im Kaffee­sektor vernetzen sich dadurch weiter und bekennen sich zur Förderung der nachhal­tigen Entwicklung in den Kaffee­pro­duk­ti­ons­ländern. Zugleich legten sie mit dem Memorandum den Grund­stein, um weitere Partner zu betei­ligen. In einem gemein­samen Sekre­tariat wollen sie ihre Mitglieder und Partner unter­stützen, eine gemeinsame öffentlich-private Agenda für einen nachhal­ti­geren Kaffee­sektor zu definieren und die sich daraus ergebenden Aktivi­täten auf natio­naler und globaler Ebene zu koordi­nieren.

Inter­na­tional Coffee Partners: Partner­schaften in Schlüs­sel­re­gionen

Auf übergrei­fende Zusam­men­arbeit setzt auch die Initiative ICP, zu der sich im Jahr 2001 führende europäische Röster und ein Rohkaf­fee­händler zusam­men­ge­schlossen haben: Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbst­hilfe“ will sie die Lebens­be­din­gungen von Klein­farmern auf Basis nachhal­tiger Anbau­me­thoden dauerhaft verbessern. Tchibo unter­stützt ICP als eines der Gründungs­mit­glieder von Beginn an.

ICP engagiert sich in zwölf Ländern in Latein­amerika, Afrika und Asien, im Jahr 2014 kam Vietnam hinzu. Die Projekte richten sich direkt an Klein­farmer, ihre Familien und Gemein­schaften vor Ort. Mit einge­bunden werden lokale und inter­na­tionale Entwick­lungs­or­ga­ni­sa­tionen, die öffent­liche Hand, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen und Vertre­tungen der Produ­zenten. ICP plant den Aufbau einer langfris­tigen Partner­schaft zu Farmern in drei Schlüs­sel­re­gionen des Kaffee­anbaus: Mbeya in Tansania, Minas Gerais in Brasilien und Trifinio, einer Grenz­region in Zentral­amerika zwischen Guatemala, Honduras und El Salvador.

Sechs Projekte laufen derzeit; 14 Vorhaben konnten seit 2001 abgeschlossen werden. Inzwi­schen hat ICP über 30.000 Farmer und mehr als 200.000 Famili­en­mit­glieder erreicht. Im Durch­schnitt konnten die Projekt­teil­nehmer ihre Einnahmen aus dem Kaffee­verkauf verdoppeln, einige haben sie sogar verdrei­facht. Bis 2018 werden voraus­sichtlich 25 ICP-Projekte mit mehr als 60.000 Farmern und 400.000 Angehö­rigen reali­siert.