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NACHHALTIGKEITSBERICHT 2014

Mit dem Klima wandelt sich der Kaffeeanbau

Der Klima­wandel wirkt sich stark auf die Kulti­vierung von Kaffee aus. Kaffee­farmer können die Qualität und Quantität ihrer Erträge nur halten oder verbessern, wenn sie ihre Anbau­prak­tiken an die Folgen der globalen Erwärmung anpassen. Seit Jahren setzen wir uns dafür ein, ihnen die hierfür nötigen Kennt­nisse zu vermitteln. Hierzu betei­ligen wir uns an der Initiative Coffee & Climate. Diese sammelt Erkennt­nisse über umwelt­scho­nende, an den Klima­wandel angepasste Anbau­me­thoden und gibt sie an Farmer weiter.

Kaffee­pflanzen sind anspruchsvoll: Sie brauchen nährstoff­reiche Böden, ausrei­chend Wasser und spezielle klima­tische Bedin­gungen, wie sie nur entlang des Äquators zu finden sind. Besonders empfindlich reagiert die Sorte Arabica auf klima­tische Verän­de­rungen: Schon ein geringer Tempe­ra­tur­an­stieg beein­trächtigt die Qualität des Rohkaffees und lässt die Erträge sinken. Robusta-Pflanzen sind von Natur aus wider­stands­fä­higer, sind aber auf höhere Nieder­schlags­mengen angewiesen und müssen bei länger anhal­tender Trockenheit künstlich bewässert werden.

Tempe­ra­tur­an­stieg macht sich bereits bemerkbar

Der Klima­wandel beein­trächtigt den Kaffee­anbau vor allem durch längere und inten­sivere Trocken­zeiten, heftigere und häufigere Stürme sowie stärkere Regen­fälle und die damit verbundene Boden­erosion. Das Jahr 2014 zeigte in beispiel­hafter Weise, welche Folgen diese Entwicklung für den Kaffee­sektor haben kann. In Brasilien ließ eine Dürre die Erträge vieler Farmen um bis zu 20% einbrechen. Schon seit einigen Jahren sorgen gestiegene Tempe­ra­turen und Phasen mit höheren Nieder­schlägen in einigen latein­ame­ri­ka­ni­schen Ländern für eine starke Verbreitung einer Blatt­krankheit, des sogenannten Kaffee­rosts. In den davon betrof­fenen Regionen gingen die Ernten ebenfalls stark zurück. In Zukunft wird der globale Tempe­ra­tur­an­stieg die Anbau­ge­biete für Kaffee in wichtigen Ursprungs­ländern verschieben, schreibt der Weltkli­marat IPCC in seinem Sachstands­be­richt von 2014.

Bewährte und neue Maßnahmen zur Klimaan­passung verbreiten

Umwelt­scho­nende Produk­ti­ons­me­thoden können dazu beitragen, die natür­lichen Ressourcen für den Kaffee­anbau zu erhalten. Misch­kul­turen aus Kaffee­pflanzen, anderen Nutzpflanzen und Bäumen bieten beispiels­weise Schutz vor Wind und Sonne und beugen der Erosion von Böden vor. Damit dienen sie auch der Anpassung an die Folgen des Klima­wandels. Angesichts der Vielzahl klima­be­dingter Verän­de­rungen müssen die herkömm­lichen Praktiken durch neue Forschungs­re­sultate ergänzt werden. So empfiehlt sich etwa der Austausch älterer Kaffee­pflanzen durch robustere Neuzüch­tungen, die Trocken­pe­rioden besser überstehen. Auch durch fachkun­diges Beschneiden und andere Pflege­maß­nahmen lässt sich die Wider­stands­fä­higkeit erhöhen. Um ein Austrocknen zu verhindern, sollten außerdem die Böden regel­mäßig gemulcht werden. Tchibo engagiert sich dafür, Verfahren wie diese bei immer mehr Kaffee­farmern zu etablieren. Hierbei setzen wir vor allem auf strate­gische Partner­schaften.

Coffee & Climate: Partner­schaft für klimaan­ge­passten Kaffee­anbau

Eine Schlüs­sel­rolle bei der Anpassung des Kaffee­anbaus an verän­derte klima­tische Bedin­gungen spielt die 2010 ins Leben gerufene Entwick­lungs­part­ner­schaft Coffee & Climate. Gemeinsam mit weiteren inter­na­tio­nalen Kaffee­un­ter­nehmen, einem Rohkaf­fee­händler und der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) sind wir Gründungs­mit­glied dieser Initiative. Sie ist in vier strate­gisch bedeut­samen Anbau­re­gionen für Arabica- und Robusta-Bohnen aktiv: Brasilien, Vietnam und Tansania sowie Trifinio – einer Gegend Zentral­ame­rikas im Grenz­gebiet zwischen Guatemala, Honduras und El Salvador.
Coffee & Climate stellt lokalen Akteuren Instru­mente und Wissen zur Verfügung, mit denen sie Risiken des Klima­wandels für den Kaffee­anbau vor Ort erkennen und den Produ­zenten geeignete Anpas­sungs­me­thoden vermitteln können. Dabei werden Erfah­rungen aus bewährten Anbau­me­thoden mit klima­wis­sen­schaft­lichen Forschungs­re­sul­taten kombi­niert.

Im Rahmen der ersten Projekt­phase wurden bis 2014 rund 3.000 Farmer in das Programm integriert. Ein wichtiges Ziel wurde erfüllt: Mehr als die Hälfte der Farmer hat bereits zwei oder mehr Anpas­sungs­me­thoden angewendet. In den vier Pilot­re­gionen wurden Workshops für Trainer durch­ge­führt, damit diese ihr Wissen an möglichst viele Farmer weiter­geben. Seit Februar 2015 steht auf coffee­and­climate.org außerdem der rund 180 Seiten umfas­sende Leitfaden „Climate Change Adaptation in Coffee Production“ zum Download bereit.

Für 2015 steht eine interne Evalu­ierung der Arbeit von Coffee & Climate an. Geplant ist eine zweite Projekt­phase bis 2017. Coffee & Climate will in diesem Zeitraum unter anderem gezielt mit wichtigen Standard­or­ga­ni­sa­tionen zusam­men­ar­beiten. 2014 wurde hierzu eine Arbeits­gruppe mit der 4C Association, der Rainforest Alliance, UTZ Certified und Fairtrade einge­richtet. Sie soll bewährte Maßnahmen zur Anpassung an den Klima­wandel weiter verbreiten und neue entwi­ckeln. Die Partner wollen außerdem neue Methoden zur Vermeidung von Treib­h­aus­gasen erarbeiten und die Kommu­ni­kation mit externen Stake­holdern ausbauen.

Neue Standards und Initia­tiven für klima­scho­nenden Kaffee

Im Kaffee­sektor ist neben der Anpassung an die Folgen des Klima­wandels auch die Reduktion der Treib­h­aus­ga­se­mis­sionen beim Anbau ein wichtiges Thema. So kann beispiels­weise durch Verwendung stick­stoff­hal­tiger Dünger der Ausstoß des klima­wirk­samen Lachgases gefördert werden. Die Bilan­zierung derar­tiger Effekte ist aller­dings sehr aufwendig, da einheit­liche Standards fehlen. Tchibo beteiligt sich deshalb an der Coffee Working Group der Sustainable Agriculture Initiative (SAI). Diese hat sich zum Ziel gesetzt, eine global anwendbare Methode zur Messung und Berechnung des CO₂-Fußab­drucks von Rohkaffee zu entwi­ckeln. Als Basis für die Bilan­zierung wurde 2013 eine Produkt­ka­te­go­rie­regel veröf­fent­licht, die auf dem inter­na­tio­nalen Standard ISO 14067 basiert. Sie legt fest, wie die CO₂-Emissi­ons­daten und der Fußab­druck erhoben und berechnet werden.

Noch weiter geht die EU-Initiative zur Entwicklung von Product Environ­mental Footprints (PEF). Die Initiative ist Bestandteil des von der Europäi­schen Kommission verfolgten Fahrplans für ein ressour­cen­scho­nendes Europa. Ziel ist es, eine Methode zu entwi­ckeln, mit der Regie­rungen und Unter­nehmen die gesamte Umwelt­per­for­mance von Gebrauchs­ar­tikeln oder Lebens­mitteln beurteilen können. Verbraucher sollen damit künftig die Umwelt­aus­wir­kungen unter­schied­licher Produkte derselben Kategorie mitein­ander vergleichen und ihre Kaufent­scheidung danach ausrichten können.
Seit 2014 beteiligt sich die European Coffee Federation als Dachverband der europäi­schen Kaffee­branche mit einem eigenen Pilot­projekt an der PEF-Initiative der EU. Die Kaffee­branche sammelt darin eigene Erkennt­nisse über die Machbarkeit eines Product Environ­mental Footprints. Außerdem soll erprobt werden, wie die Umwelt­per­for­mance von Kaffee am verständ­lichsten an die Verbraucher kommu­ni­ziert werden kann.

Wegen der hohen Relevanz für den gesamten Kaffee­sektor unter­stützen die Sustainable Agriculture Initiative (SAI) und Tchibo die Entwicklung des Product Environ­mental Footprints. Analog zum SAI-Projekt für den CO₂-Fußab­druck soll auch für den PEF eine Produkt­ka­te­go­rie­regel für das Erheben und Auswerten von Daten entwi­ckelt werden. Wie diese aussehen und den Kunden verständlich kommu­ni­ziert werden kann, wird wesent­licher Bestandteil der Projekt­arbeit sein.

Arten­vielfalt und Ökosysteme schützen

Tchibo setzt sich für den Erhalt der biolo­gi­schen Vielfalt und den Schutz der Ökosysteme beim Kaffee­anbau ein. Darum sind wir im Jahr 2012 Mitglied der Initiative Biodi­versity in Good Company des Bundesum­welt­mi­nis­te­riums geworden. Die Initiative bringt Vorrei­ter­un­ter­nehmen aus unter­schied­lichen Branchen zusammen, um gemeinsam Lösungen zum Erhalt der weltweiten Biodi­ver­sität zu entwi­ckeln. Darüber hinaus soll die breite Öffent­lichkeit stärker für das Thema Arten­vielfalt sensi­bi­li­siert werden.

Mit dem Beitritt haben wir eine „Leadership-Erklärung“ unter­zeichnet. Mit ihr verpflichten wir uns dazu, die Wahrung der natür­lichen Arten­vielfalt in das Nachhal­tig­keits­ma­na­gement unseres Unter-nehmens zu integrieren und entspre­chende Ziele und Maßnahmen zu verfolgen. Im Jahr 2014 haben wir den zweiten Fortschritts­be­richt zur Leadership-Erklärung veröf­fent­licht.

Unser wichtigster Beitrag zum Schutz der Arten­vielfalt ist der Bezug validierter oder zerti­fi­zierter Rohkaffees. Insbe­sondere bei den Anfor­de­rungs­ka­ta­logen des Bio-Siegels der EU und der Standard­or­ga­ni­sation Rainforest Alliance stellt Biodi­ver­sität einen Schwer­punkt dar. Aber auch Fairtrade, UTZ Certified sowie der Basis­standard der 4C Association tragen im Vergleich zum konven­tio­nellen Anbau dazu bei, die Belastung des Ökosystems vor Ort zu verringern. Bei den Konsul­ta­tionen zur Weiter­ent­wicklung der Standards unter­stützen wir die Organi­sa­tionen dabei, zielge­richtet weitere Umwelta­spekte in ihre Anfor­de­rungen zu integrieren. Bereits rund 35% des von Tchibo im Jahr 2014 einge­kauften Rohkaffees bestanden aus Quali­täten, die nach diesen Standards validiert oder zerti­fi­ziert waren.

Einen weiteren Beitrag zum Arten­schutz leisten wir durch unser Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm Tchibo Joint Forces!®. Im Rahmen der Schulungen werden die Kaffee­farmer auch über Ziele und Maßnahmen zum Erhalt der Biodi­ver­sität unter­richtet.

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